Till Lincke — SPW-Verstellpropeller in der Arktis

Im Januar 2003 - nach einem irreparablen Defekt unseres damaligen Maxprop-Verstellpropellers auf Gran-Canaria - haben wir unsere vereinseigene 18-Meter Segelyacht 'Passage' mit dem Variprop DF 112, einem dreiflügeligem Verstellpropeller von SPW, ausgerüstet. Die 'Passage', eine 18-Meter Alusloop, wurde ursprünglich für das 1990er 'Whitbread-around the World-Race' konstruiert und wird seit 2010 von unserem Segelclub 'Mare-Incognita' (www.mareincognita.ch) für Chartertörns und Expeditionen in den hohen Norden eingesetzt.

2013, bevor wir unsere erste Expedition in die eisbedeckten Gefilde der Arktis in Angriff nahmen, wurde uns von Packeis-erfahrenen Skippern empfohlen, den Verstellpropeller durch einen fixen Propeller zu ersetzen. Die Gefahr bestünde, dass der Mechanismus des ersteren durch Eisbrocken beschädigt werden könnte. Wir haben die Warnung ignoriert, obwohl der siebenjährige SPW-Propeller zu diesem Zeitpunkt schon über 40'000 Seemeilen auf dem Buckel hatte und trotz minimaler Wartung (jährliches abschmieren im Winterlager) immer noch klaglos seinen Dienst versah. Die Umstellung auf Segelstellung durch kurzes Einlegen des Rückwärtsganges ab 2.5 bis 3 Knoten war immer problemlos. Bei längsseitigem Anlegen unter ablandigem Wind, ein Manöver, das wir mangels Bug und Heckstrahlruder bei stärkerem Wind etwas rasant durchführen mussten, schätzten wir insbesondere die sehr gute Bremswirkung bei Rückwärtsschub. Vermutlich verdankten wir das der Möglichkeit, den pitch (Steigung des Propellers) für Vor- und Rückwärtsbedingungen separat und jeweils optimal einzustellen.

Angesichts der Warnungen der Arktisexperten kann man sich vorstellen, wie Bange uns war, als  wir zum ersten Mal durch ein Feld von Packeis (gefrorenes Meerwasser, im Unterschied zu Gletschereis) pflügten. In der Regel ist dies für den Antrieb relativ unproblematisch, da die Eisbrocken vom Bug und zuweilen auch vom Kielansatz beiseite geschoben werden. Aber ab und  zu dreht sich einer der unter dem Rumpf entlangschrammten Brocken und wenn man Pech hat, gerät einer seiner Tentakel in den Drehkreis des Propellers.

Bei Jungem Eis mit der Konsistenz von morschem Holz mag das noch angehen, bei mehrjährigem Eis und bei Gletschereis, beide wesentlich härter, sollte man dies nach Möglichkeit vermeiden.

Nicht immer gelingt dies, insbesondere wenn man durch die Umstände gezwungen wird, sich in Rückwärtsfahrt aus einer Sackgasse zu befreien und der Propeller nicht mehr durch den Kiel geschützt wird.

In eine solche missliche Situation gerieten wir bei der Umrundung von Cape-Farewell, dem südlichen Kap Grönlands, im July 2014, als wir von einem 'Compression-Ridge' (durch die Strömung übereinander geschobene Packeisplatten) eingeschlossen wurden. Die Schläge, die sich durch die Misshandlung des Propellers als 'Eismixer' via den Antriebsstrang durch den Rumpf fortpflanzten, jagten uns einen gehörigen Schrecken ein. Erstaunlicherweise sind weder am Propeller noch am Getriebe Schäden aufgetreten. Allerdings handelte es sich damals um relativ 'weiches' einjähriges Eis.

Bei der diesjährigen Inspektion im Winterlager haben wir Spiel in der Lagerung der Propellerachsen festgestellt, das sich - gemäss einer Prüfung durch die SPW-Fachleute - nicht  mehr via Revision beseitigen lässt. Nach 17 Jahren und rund 120'000 Seemeilen klaglosem Dienst unter härtesten Bedingungen darf sich unser Propeller nun in den wohlverdienten Ruhestand begeben. Wir haben nun bei SPW seinen Nachfolger, den Variprop DF  112  bestellt,  der  dank seinen vier Propellerblättern noch effizienter sein soll. Wir sind gespannt, wie er sich auf seiner Jungfernfahrt nach Ostgrönland — siehe "Törns 2020" auf www.mareincognita.ch diesen Sommer bewährt.

Till Lincke

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